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Anne Isopp
Architekturjournalistin
mail@anneisopp.at

zuschnitt 77: Brandrede für Holz

Im Brandfall ist Holz berechenbar. Im Brandfall schützt Holz sich selbst. Diese Gewissheit spiegelt sich in den gelockerten Brandschutzvorschriften für den modernen Holzbau wider.

Editorial

16 Jahre ist es her, dass wir einen Zuschnitt zum Thema Brandschutz
herausgegeben haben. Damals, 2004, konnte man in Wien schon viergeschossige
Wohnbauten in Holz errichten mit einem Erdgeschoss in
mineralischer Bauweise. Heute darf man in Österreich laut OIB sechs
Vollgeschosse in Holz ohne zusätzliche Brandschutzmaßnahmen bauen.
So wie in Österreich wurden auch in Deutschland und der Schweiz
die Brandschutzvorschriften parallel zu den technologischen Entwicklungen
des Holzbaus liberalisiert. Das Bauen mit Holz wurde damit einfacher
und wirtschaftlicher, weil es bis zu einer bestimmten Gebäudehöhe
keine erhöhten Anforderungen für den Holzbau mehr gibt. Die
Schweizer liberalisierten nach einer intensiven Forschungs- und Entwicklungsphase ihre Brandschutzvorschriften sogar so weit, dass seit
2015 brandschutztechnisch robuste Holzbauteile nicht brennbaren
Bauweisen gleichgestellt sind. Auch über die Hochhausgrenze hinaus
können hier Häuser ohne Weiteres in Holz gebaut werden.
Diese Gleichstellung mit anderen Baustoffen bietet ein großes Potenzial
für das nachhaltige Bauen in den Städten. Endlich kann auch in großem
Maßstab in den Städten in Holz gebaut werden, ohne zusätzliche Auflagen
erfüllen zu müssen. In diesem Sinne kann man den Essay, den der
Schweizer Architekt Yves Schihin für diesen Zuschnitt geschrieben hat,
auch als eine Art Brandrede für Holz lesen. Er sagt, wir sind gefordert,
unser Verhalten im Bauwesen den neuen klimatischen Gegebenheiten
anzupassen und endlich wieder nachhaltig zu planen und zu bauen.
Es ist höchste Zeit.

Chefredaktion und Text: Anne Isopp

Das ganze Heft zum Durchblättern und Download findet man hier:

zuschnitt 77, März 2019