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Anne Isopp
Architekturjournalistin
mail@anneisopp.at

zuschnitt 76: Steildach

Früher waren die Zimmerer hauptsächlich damit beschäftigt, Dachstühle zu errichten. Heute ist ein Steildach die Krönung von ganzheitlich in Holz gedachten Holzbauten.

Editorial

Nicht nur die Turnhalle im bayerischen Haiming hat ein Satteldach, auch das Stadthaus in London und das Insektenmuseum bei Paris. Ihre Silhouetten schauen auf den ersten Blick wie von Kinderhand gezeichnet aus, und doch ist ihre Gestalt überzeugend: nicht kindlich, sondern gekonnt. Nicht althergebracht, sondern zeitgemäß. Das Satteldach ist zurück in der Formensprache der modernen Architektur. Bei unserer Recherche ist uns eine enorme Dächervielfalt begegnet. Dies hat uns dazu bewogen, ein Bauteilheft zu diesem Thema zu machen. Nach den Decken, Fassaden, Türen, Fenstern und Flachdächern aus Holz widmen wir uns in diesem Heft dem Steildach. Wir sprechen dabei sowohl statische und bauphysikalische als auch räumliche Komponenten an. So wie der Holzbau sich vom Stab zur Fläche entwickelt hat, haben sich auch die konstruktiven Möglichkeiten, ein Dach zu bauen, vervielfacht. Eine aus Fachwerken oder Trägern gefügte Dachkonstruktion hat einfach eine andere Wirkung als eine aus plattenförmigen Elementen. Das Dach ist Teil der Erscheinung eines Hauses. Man begegnet einem Haus mit Satteldach anders – vielleicht so, wie man einem Herrn oder einer Dame mit Hut entgegentritt. Aber nicht nur die äußere figurative Wirkung, auch die inneren Qualitäten gilt es wiederzuentdecken: Dachböden sind heute meist nicht mehr ungedämmte Dachräume, sondern Innenräume, denen mit ihren Kanten, Schrägen und Lichteinfällen eine besondere Atmosphäre innewohnt. Zudem ist ein steil geneigtes Dach meistens ein Holzdach. Ab einer gewissen Neigung ist eine leichte Konstruktion die logische. Damit ist der Holzbau wieder in seiner Domäne angelangt. Vor ein paar Jahrzehnten noch waren die Zimmerer hauptsächlich damit beschäftigt, Dachstühle zu errichten. Dann entwickelte sich der Werkstoff Holz zu einem hochmodernen Baustoff und der Holzbau fand vermehrt Eingang in die Stadt und in viele unterschiedliche Bauaufgaben. Heute sind die Dächer nur mehr die Krönung von ganzheitlich in Holz gedachten und ausgeführten Holzbauten.

Chefredaktion und Text: Anne Isopp

Das ganze Heft zum Durchblättern und Download findet man hier:

zuschnitt 76, Dezember 2019