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Anne Isopp
Architekturjournalistin
mail@anneisopp.at

zuschnitt 74: Im Innenraum

Im Innenraum  zeigt Holz seine Vielfalt, seine Nachhaltigkeit und Charakterstärke.

Editorial

Innenräumen aus Holz wohnen viele Qualitäten inne. Zur Einstimmung auf
ein buntes Heft möchten wir drei hervorheben, deren Begriffe uns zu vielen
weiteren Eigenschaften führen.

Vielfalt Nicht ein Muster, nicht eine Farbe, nicht eine Eigenschaft hat Holz,
sondern viele. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in den hier vorgestellten
Projekten wider. Darin bekleidet Holz in unterschiedlichster Ausführung
Boden, Wand und Decke. Es zeigt sich mal bodenständig oder industriell,
mal modern oder zeitlos. Oft ist es beides zugleich.

Vorbild Die haptischen, olfaktorischen und räumlichen Qualitäten von Holz
im Innenraum sind uns vertraut, sie sind gefragt und oft imitiert. Holz hat
eben Vorbildfunktion. Doch im Gegensatz zu Imitaten und vielen anderen
Materialien fühlt Holz sich warm an und je nach Oberflächenbeschaffenheit
mal rau, mal samtig, mal glatt. Hat es etwas mit den immer besseren Imitaten
zu tun, dass sich ein Trend zu unbehandelten Holzoberflächen abzeichnet?
Oder spiegelt es das zunehmende Bedürfnis der (Stadt-)Menschen nach
Natürlichkeit und Echtheit wider? Der Tastsinn unterstützt uns hier bei der
Wahrnehmung. Die Gefäßgrößen der Hölzer variieren zwischen 0,02 und
0,1mm. Während das menschliche Auge einen Zelldurchmesser von bis zu
0,1mm erkennen kann, können die Finger weit mehr differenzieren, sie können
Zellen von bis zu 0,04mm wahrnehmen, beim Abtasten mit dem Fingernagel
sogar bis zu 0,01mm. Die Entscheidung, eine Holzoberfläche unbehandelt
zu lassen, zu lasieren oder zu lackieren, hat also großen Einfluss auf die haptische
Wahrnehmung.

Veränderung Alle Projekte in diesem Zuschnitt leben von den in Mitteleuropa
heimischen Holzarten. Diesen Hölzerreichtum verdanken wir unserem Wald.
Doch auch im Wald sind die Veränderungen des Klimawandels zu spüren:
Die aktuelle österreichische Waldinventur zeigt, dass der Anteil an Laub- und
Mischwäldern weiter zunimmt. Die Holzwirtschaft muss sich also auf geänderte
Rohstoffvorräte einstellen. Im Innenausbau sind die Eigenschaften vieler
Laubhölzer von jeher gefragt

Text: Anne Isopp

Das ganze Heft zum Durchblättern und Download findet man hier:

zuschnitt 74, Juni 2019